Der Wings For Life Worldrun 2018 in Wien

Ja, lange hat es gedauert, bis ich mich wieder dazu aufraffen konnte, einen Blogeintrag zu schreiben. Neben meinem sportlichen kam auch ein kreatives Tief hinzu. Aber ich denke, so langsam aber sicher bin ich aus dem wieder raus und was gibt es da Besseres, als über meinen ersten Lauf seit März zu schreiben und dann nicht einfach über irgendeinen, sondern dem Wings For

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Mein letzter Lauf eine Katastrophe …

Life Worldrun in Wien. Viele werden sicherlich schon davon gehört haben, aber bei diesem Lauf geht es in erster Linie mal um Charity „Laufen für die, die es nicht können“ und dieser Rahmen war für mich perfekt, um mich endlich wieder „raus“ zu trauen und zu zeigen, dass ich das laufen nicht ganz verlernt hatte. Aber wie immer alles der Reihe nach :).

Angemeldet war ich ja schon lange, aber nach meinem letzten Wettkampf bin ich natürlich ordentlich krank geworden und diese Krankheit hatte es diesmal wirklich in sich. So hat es doch 1 1/2 Monate gedauert, bis ich so langsam wieder normal Sport machen konnte und mein Puls nicht mehr jenseits von Gut und Böse war. Ich muss sagen, dass das eine wirklich sehr harte Zeit für mich war und ich manchmal schon daran gezweifelt hatte, dass ich überhaupt jemals wieder die Lust verspüren würde an Läufen teilzunehmen. Den Vienna City Halbmarathon habe ich gleich abgesagt und obwohl es mir leid tat, war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so weit.

Nun habe ich die letzten 2 Wochen aber verstärkt gemerkt, dass es sich wirklich langsam gebessert hatte. Ich hatte auch mein Training ziemlich umgestellt, jetzt war

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Die letzten Läufe wurden immer besser

Grundlagenausdauer das absolute „must have“. Also lange, langsame Läufe und es lief, es lief immer besser. Der „Wings for Life Worldrun“ rückte immer näher und langsam hatte ich sogar schon ein paar Tempoeinheiten eingeführt. Auch wenn ich hier natürlich noch immer große Defizite hatte, wollte ich diesen Lauf trotz allem unbedingt probieren. Das Gute war sicherlich, dass hier keine bestimmte Distanz gelaufen werden musste, sondern man halt so lange läuft, bis einem das „Catcher Car“ einholt. Also perfekt für mich, um mich endlich wieder etwas herauszufordern. Und auch wenn ich mir fest vorgenommen hatte, dass ich mir gar keine richtigen Ziele setze, so konnte ich es doch nicht ganz ohne machen. 15km waren so mein Minimalziel und 20 wären einfach perfekt gewesen. Das war dann doch ein Rahmen, der mir groß genug erschien.

 

Am Samstag vorm Lauf habe ich beschlossen einfach die Startnummernabholung mit einem schönen Tag in Wien mit den Kids zu verbinden. Also habe ich meine zwei Schätze zusammengepackt und wir sind nach Schönbrunn in den Tierpark gefahren. Mit Lara war ich gefühlt jede Woche im Tierpark, wie sie noch klein war, aber mit Noah war ich zu meiner Schande noch nie. Zu meiner Verteidigung muss man jedoch sagen, dass er sich nie so besonders für Tiere interessiert hatte.

 

Das Wetter für den Tierpark war ideal, sonnig und warm aber eben auch nicht zu heiß. Wir haben das relativ neue Eisbärengehege auch endlich zum ersten mal besucht und auch ansonsten war dieser Tag in Schönbrunn wirklich wundervoll. Natürlich ist so etwas einen Tag vor einem Lauf vielleicht nicht unbedingt ideal, aber ich hatte hier ja eben auch jetzt nicht die ehrgeizigsten Ziele.

Dann sind wir noch zur Universität gefahren, um mein Starterpack für den Lauf abzuholen und voller Vorfreude ging auch dieser Tag dann wirklich positiv zu Ende.

 

Dann war der Sonntag endlich da und anders als bei meinen sonstigen Läufen habe ich

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Auf dem Weg zum Lauf

hier wirklich gar keine Nervosität verspürt. Ich habe mich einfach darauf gefreut und sogar die immer verspäteten Züge konnten meine Vorfreude kaum trüben.

Am Rathaus angekommen, habe ich mich gleich mit meinen Freunden Erich und Gerhard verabredet, sodass wir zumindest noch etwas Zeit vorher gemeinsam verbringen konnten. Erich und ich haben noch schnell ein Foto mit dem „Catcher Car“ gemacht und die Atmosphäre genossen. Es war wirklich eine tolle Stimmung und so unglaublich viele Leute. Eigentlich wäre ich ja für den zweiten Startblock eingeteilt gewesen, aber da schon so viele Leute angestellt waren, konnte ich gar nicht mehr wirklich dort hinkommen. Also habe ich mich einfach irgendwo mitten drinnen hineingestellt. Leider habe ich da meine zwei Mitläufer auch komplett verloren, aber im Prinzip laufe ich die meiste Zeit sowieso immer alleine.

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Erich und ich mit dem Catcher Car

Und dann ging es los und plötzlich habe ich doch eine kleine Spur Aufregung verspürt. Gut, bis ich mich überhaupt in Bewegung setzten konnte, ist doch etwas Zeit vergangen, aber das habe ich auch recht entspannt gesehen und irgendwann bin ich dann auch zur richtigen Startlinie gekommen. Ja, die ersten 2 km sind natürlich bei so einer Massenveranstaltung etwas mühsam, aber eigentlich mache ich das immer ganz gut, glaube ich, und lasse mich dadurch auch nie rausbringen. Irgendwann habe ich

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Im Startblock

sogar Gerhard auf der Strecke gesehen und habe ihn winkend überholt.

So ging es die ersten Kilometer den Ring entlang und ich war plötzlich wirklich drinnen, ich habe die Atmosphäre regelrecht aufgesaugt und mir alles genau angesehen .. ich habe mich immer bei einer Pace von 5.20 bis 5.25 eingependelt, manchmal habe ich mich ertappt dass ich wieder etwas schneller geworden bin und habe dann gleich wieder zurückgeschalten. Es war doch ziemlich heiß und windig und ich konnte mich einfach noch nicht einschätzen, wie ich mit all dem so zu recht kommen würde. Und mein schlimmster Albtraum war, dass ich dann komplett wegbreche und nicht mehr richtig weiterlaufen kann, weil ich eben noch nicht so weit bin. Und so war es auch einmal etwas anderes, denn im absoluten Wohlfühltempo zu laufen, ist doch eine neue Erfahrung gewesen. Und dann kamen auch schon immer wieder die ersten Rollstuhlfahrer bei mir vorbei und es war einfach so rührend zu sehen, mit was für einer Leidenschaft jeder einzelnen von ihnen dabei war und wie rücksichtsvoll und positiv alle Leute rund um mich waren. Hier ging es nicht nur um Bestzeiten, sondern eben auch um das miteinander. Da wurden alle lauthals angefeuert, es wurde abgeklatscht. Es war großartig das alles zu beobachten und als Teil davon mitten drin zu sein.

 

Die erste Verpflegungsstation kam bei etwa 4,5 km und die habe ich komplett versemmelt. Da hat man gemerkt, dass ich hier noch nicht die Routine hatte. Zuerst habe ich mich bei „Red Bull“ angestellt um zu merken, dass das ja gar kein Wasser ist und dann musste ich eben nochmals hin, um mir Wasser zu holen. Aber auch das habe ich mit Humor gesehen. Und dann ging es die Wienzeile entlang und auch beim Marathon ist diese Passage ja berühmt berüchtigt .. hier hat es auch wirklich gnadenlos runtergebrannt. Die Gumpendorfer Straße nach oben habe ich dann doch etwas geflucht und plötzlich habe ich meinen Freund Gerhard auf der Strecke wieder gefunden, der

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Auf der Wienzeile war ich sogar im Fernsehen zu „bewundern“

mich genau hier dann wieder überholt hatte. Aber wir haben uns wieder lachend zu gewunken. Bei Steigungen bin ich aber einfach allgemein nicht besonders gut, aber ich habe es gar nicht so schlecht gemacht und der Zeitverlust war hier weniger schlimm als angenommen. Dann ging es auch wundervoll die Mariahilfer Straße bergab um schließlich wieder beim Rathaus vorbei zu kommen. Hier war die Stimmung auch grandios und ich hatte eine richtige Gänsehaut. Einfach atemberaubend!

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Die Wings for Life WorldRun Route für mich

Die zweite Runde ging dann die Liechtensteinstraße runter und hier war es dann schon wirklich sehr angenehm zu laufen, da hier doch etwas mehr Schatten war und auch nicht mehr so viele Leute unterwegs waren. Die Verpflegungsstationen hatte ich langsam aber sicher auch besser im Griff, auch wenn hier manchmal alles doch zu langsam ging und ich gefühlte Ewigkeiten auf ein Wasser gewartet hatte, aber es ist sicherlich auch organisatorisch nicht so einfach das für so viele Menschen zu machen.

Den Donaukanal entlang war es dann wieder aus mit der gemütlichen Phase, hier war es wirklich wieder heiß ohne Ende, aber dann kam sie .. meine minimale Grenze, nämlich 15 km und ich war so glücklich dass ich dieses Ziel auf alle Fälle erreicht hatte. Knapp vor der 16km Marke habe ich recht frisch und voller Energie meinen alten Bekannten wieder getroffen, der doch schon etwas erledigt ausgesehen hatte. Also habe ich ihn wieder lächelnd und winkend zurück überholt. Dann kam km 17 und ich habe aus der Ferne schon das „Catcher Car“ gehört und war dann doch etwas erstaunt mit dem Blick auf meine Uhr, weil ich schon dachte, dass ich es bis 19km schaffen müsste. Ich habe dann noch ein bisschen Gas gegeben, aber knapp vor km 18 hat es mich dann doch gehabt. Und der Ort,

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Geschafft! Mein erster Lauf seit März

war auch dann fast bezeichnend. Erdberger Lände, direkt vor dem Standort unserer alten Unternehmenszentrale. Kurz war ich etwas enttäuscht, weil ich doch so gerne 20km erreichen wollte und ich mich ein kleines bisschen geärgert hatte, dass ich nicht doch mehr Gas gegeben hatte, wo ich doch so offensichtlich noch mehr hätte können, aber das war dann doch schnell verflogen. Das war schon ok so und ich konnte diesen Lauf so extrem genießen, wie schon Ewigkeiten nicht mehr.

Auf der Erdberger Lände war ich dann etwas ratlos, was ich jetzt machen sollte, da ich doch ziemlich durstig war. Aber hier gab es zum Glück gleich eine Tankstelle, wo ich mir schnell eine große Flasche Wasser gekauft hatte und bin damit die Rückreise zum Rathausplatz angetreten.

Dort angekommen habe ich mich noch mit Gerhard und seiner Familie zusammengesetzt und mir auf einer großen Videowall die restlichen Läufer angesehen, bis es auch für mich nach Hause ging.

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Stolz mit der Medaille vorm Rathaus …

Mein Fazit: Es war eine tolle, emotionale und so positive Veranstaltung, die ich auf alle Fälle nächstes Jahr wieder laufen möchte. Und da werden dann die 20km mindestens fallen. Ansonsten hat mir dieser Lauf wirklich auch sportlich viel gebracht. Ich habe gesehen, dass hier noch viel mehr geht und mir auch nicht mehr so viel auf meine alte Form fehlt. Als nächstes steht jetzt mal der Spartan Race in Wiener Neustadt an und danach werde ich ganz eifrig auf die nächsten Läufe hintrainieren. Aber eines möchte ich in all dem nicht wieder verlieren – die Freude daran, denn das ist es was wirklich zählt. Ich war so glücklich wieder so laufen zu können und genau dieses Gefühl möchte ich nicht nochmals verlieren …

Eure schlaflose Iris


2 Gedanken zu “Der Wings For Life Worldrun 2018 in Wien

  1. Wow …ich bin geflasht…ich bin beim Lesen mit gerannt…jeden einzelnen km …wäre toll wenn ich nächstes Jahr es irgendwie schaffen könnte da mitzulaufen ….Danke für deinen Bericht …mir fehlen die Worte 😃👍👍😃

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